
Der Palazzo Erizzo – einst Heimat des 89. Dogen – steht da
wie ein alter Mann in einem zerschlissenen Mantel. Müde. Vergessen. Ich glaube,
selbst er erinnert sich nicht mehr daran, wie es war, ein Prachtbau zu sein.
Seine Mauern erzählen keine Geschichten mehr, sie schweigen. Und in diesem
Schweigen finde ich mich wieder.
Der Vormittag: sechs Texte, zuhören, lesen, Feedback geben.
Ich bin ruhiger als gestern. Die meisten Texte kamen spät, zu spät für mich und
eine echte Auseinandersetzung. Muss immer etwas gesagt werden? Ich hatte Angst,
meinen eigenen Text zu lesen. Ich fühlte mich wie ein Anfänger in dieser Runde.
Das Feedback – sanft, unter Welpenschutz. Glück gehabt. Auch Claudia war
erleichtert, nicht in der Luft zerfleddert zu werden. Wir sind erwachsen. Wir
müssen kein Buch veröffentlichen, um davon zu leben.
Mittagspause. Drei Stunden. Ich habe sie gebraucht. Claudia
wollte nicht nur essen, sondern auch spazieren. Wir erkundeten die Isola
Sant’Elena, die dunklen Regenwolken stets im Blick. Nach dem Essen begann der
Regen. Die Wolken weinten – vor Lachen – über meinen Blubbertext und Roberts magischen
Hopfen.


Am Nachmittag schreiben alle Teilnehmer:innen. Es wird
stiller. Konzentrierter. Christian, der Trainer, zieht sich in Einzelgespräche
zurück, nimmt sich Zeit für jeden Text. Reflektieren, helfen, besprechen – im
kleinen Kreis. Es ist eine andere Art des Zuhörens. Eine, die Raum lässt. Für
Zweifel. Für Tiefe. Für Entwicklung.
Ein anstrengender und schreibreicher Tag geht zu Ende.
